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Tirol, Tag 9: Lassach – Toblach / Camping Olympia, 79 km, 1200 hm

Ein für mich besonders schöner Aspekt des Radreisens ist, dass man schnell ins Gespräch mit Fremden kommt. Oft wird man angesprochen, wo man hin möchte, oder wo man denn herkäme, ob man etwas suche und behilflich sein könne. Und schon ergeben sich oft interessante Gespräche mit wildfremden Leuten.

Eine besondere Kategorie dieser Menschen sind die Radreisenden. Man trifft sich, tauscht sich aus, erzählt Geschichten,denn man hat anscheinend eine gemeinsame DNA.

Ganz besonders nette Menschen, die ich kennenlernen durfte, sind Astrid und Jason, die gestern kurz nach mir auf dem Campingplatz ankamen.

Morgens,unrasiert, ungeschminkt, aber sowas von gut drauf. Ich, Jason Eldridge (10 Jahre nicht rasiert ; -) und Astrid, die Amazone

Astrid ist Biologin, wie ich, und begeisterte Radreisende. Sie ist mit dem alten Simplon Rennrad ihres Vaters unterwegs, was aber den großen Etappenlängen die sie bewältigt, keinen Abbruch tut. Auch sammelt sie Pilze und bereitet daraus leckere Speisen. Wie heißt noch mal das Schwammerl gestern Abend im Topf? Witzigerweise hat Astrid genau das gleiche Zelt wie ich.

Old fashion style

Jason kommt aus Südafrika und bereist Europa mit einem 16″ Zoll Brompton. Da das Rad nicht gerade für die Berge geeignet ist, hat er die 35 kg schwere Fuhre über den Großglockner geschoben! Geschoben! Die ganze Strecke. Er liebt sein Rad so sehr, dass er es nachts zusammengeklappt in sein Zelt nimmt. Und er kennt meine Fahrradmarke: Bombtrack. Ein Experte! Wieder in Südafrika angekommen, will er einen YT-Kanal mit seinen Filmen úber die Reise machen. Ich bin gespannt!

Klein, aber mit Gepäck sauschwer mit 35 kg

Nach der Verabschiedung geht’s für mich zunächst weiter bergab an der Möll entlang. Doch im 6 km entfernten Wimklern ist Schluss mit Lustig! Denn ab hier erfolgt der 380 Höhenmeter Aufstieg zum 1204 m hohen Iselsbergpass.

Na ja, wir haben viel gequatscht an dem Abend. Leider trennen sich unsere Wege wieder. Es war sehr schön. Gute Reise euch beiden, ihr kennt euch ja auch erst seit ein paar Tagen. Good journey!

Hier am Pass verlasse ich Kärnten und stürze mich mit teilweise 65 km/h eine herrliche Abfahrt hinab Richtung Lienz im Drautal.

In Lienz kommen die Flússe Isel und Drau zusammen. Ein nettes Stàdtchen mit einer schönen Fußgängerzone.

Hier die Isel
Bronze-Vogel an der Spittal-Brücke
Für Stefan
Da die Drau

Ich hatte ja meinen Kocher aus Gründen der Gewichtsersparnis nach Hause geschickt. Aber ganz ohne Kocher kann man ja noch nicht einmal morgens Kaffee kochen. Das fehlt mir! In einem Outdoorshop erstehe ich einen Esbit-Kocher, den ich noch von der Bundeswehr kenne. Wie jeder weiß 😉 . besteht der Brennstoff aus Hexamethylentetramin und Esbit steht für „Erich Schumms Brennstoff iTablettenform“. 1936 schon vermarktet und für mich ideal, weil der Kocher superleicht, kleiner als eine Zigarettenpackung und billig (10 €) ist.

Der Kocher ist das Teil unter der Tasse

Es geht weiter auf einem toll ausgebauten Radweg die Drau hoch durch das Pustertal. Aber irgendetwas muss ich falsch machen, denn es kommen mir auf diesem Abschnitt von ca. 40 km mindestens – und ich übertreibe hier nicht – weit mehr als 1000 Radfahrende entgegen. Kaum einer fährt in meiner Richtung, so dass diese anzunehmen scheinen, dass der Radweg eine Einbahnstraße sei. Da wird mit Anhängern überholt, meist gelbe der Marke „Papin“, während der Fahrt telefoniert oder sogar gefilmt, getratscht, rechts nach hinten geguckt und dabei links den Lenker verrissen, usw. Ich muss mich da schon ziemlich konzentrieren, meinen Rückspiegel kann ich ignorieren.

Rechts erhebt sich die mächtige Burgruine bei Heinfels.

Dann folgen Sillian und Innichen, mit herrlichem Blick auf den Naturpark „Drei Zinnen“.

In Innichen
Toblacher Feld. Hier irgendwo muss der Ursorung der Drau liegen
Endlich wieder abwärts.

Hier irgendwo entspringt die Drau im Toblacher Feld. Bei Toblach ist die Wasserscheide und ich folge der Rienza – endlich geht’s hinab – bis zu meinem Camping Olympia auf 1200 müNn. Nach wie vor ist es sonnig und ca. 28 Grad, aber es wird in dieser Höhe schnell abkühlen (22:30Uhr 8 Celsius,brrr). Ich bekomme den allerletzten Zeltplatz unter einer Fichte. Bei weitem nicht so schön wie den gestrigen.

Für Hannah
Der Ausbkick ust gut
Schwimmbad heute ohne mich

Als Abendessen empfiehlt mir die Bedienung des Restaurants „Schlutzkratzen mit Käse- und Spinatsemmelknödeln“. Sehr lecker.

Heute habe ich sehr viel geschrieben. 4 Stunden für diesen einen Blog! Da ich wie immer viel erlebt habe und leider am Abend keine so nette Unterhaltung wie gestern mit Astrid und Jason hatte, bleibt mir die Zeit