Tirol, Tag 12: Heimreise von Innsbruck nach Köln mit der ÖBB

Das Frühstück ist einfach aber reichlich. Es herrscht ein reges Treiben, denn eine Gruppe Kinder bricht heute zu Fuß zu einer Alpenüberquerung nach Meran auf. Da würde ich doch gerne mitgehen.

Ich befreie mein Rad aus dem sicheren Käfig in dem es die Nacht verbracht hat und begutachte die Räder der anderen Radler.

Heath’s Rad, mit dem er ca. 6000 km in Europa unterwegs sein wird

Innsbruck zeigt sich zum Abschied im prächtigen Sonnenschein. Noch ein kurzer Schlenker durch die Altstadt und ich bin am Bahnhof.

Die Inn

Der Zug steht zur Abfahrt um 8:54 Uhr bereit. Es gibt sogar einen sehr freundlichen Zugbegleiter der ÖBB, der mein Fahrrad entgegen nimmt und selbst im Gepäckwagen verstaut. Ja, es scheint hier im IC 118 tatsächlich einen separaten Gepäck-/Radwaggon zu geben. Einen Stellplatz hätte ich sogar heute noch ohne Reservierung bekommen können.

Hier ist Stapeln angesagt. Da sollte man nicht zimperlich sein

Die Fahrt fúhrt bei 30 Grad im schlecht klimatisierten Zug ca. 10 Stunden durch eine herrliche Landchaft über Ötztal, Feldkirch, Lindau, Stuttgart, direkt bis nach Köln.

Zeitvertreib auf der Bordtoilette
Blick zurück Richtung Stuttgart

Und hier endet mein Bericht über diese herrliche Reise.

Die einzelnen Touren findet man unter dem folgenden Link bei Komoot. Insgesamt waren es 564 km und 7860 hm

https://www.komoot.de/collection/1748210/-tirol-08-2022

Tirol, Tag 11: Brixen – Brenner (1370 müN) – Innsbruck, 97 km, 1330 hm

Der Brenner mit Schiene, Autobahn und Landstraße bildet eine der wichtigsten Nord-Süd Verkehrsadern Europas. Und ich habe diese Ader in der Nacht heftig pulsieren hören! Ein auf- und abschwellendes Dröhnen, noch übertönt durch das laute Fauchen und Rattern der vorbeirasenden Güterzüge. Dagegen war der Campingplatz an der Inntalautobahn die reinste Ruheoase.

Ohropax hatte ich leider nicht zur Hand. Entsprechend gerädert quäle ich mich um 7:15 Uhr aus dem Zelt und starte um 8:45 Uhr zu meinem nächsten Ziel: den Brenner!

Es geht durch das Eisacktal immer leicht bergan. Die gigantischen Verkehrstrassen, insbesondere die oft auf riesigen Betonstelzen geführte Autobahn prägen das Bild.

Franzensfeste
Mittewald
Im Eisacktal
Eisacktal vor Stilfes
Sterzing
Vor Gossensass
Wunderschönes Teilstück vor Naßtal – die Autobahn ist weit entfernt

11 km vor der Passhöhe führt die Strecke über eine alte Bahntrasse der Brennerbahn.. Hier lässt sich wunderbar und ungestört fahren.

Zwei kurze Tunnel gibt’s auch
Kirche Zachariasau

Der Brenner mit 1370 müN ist im Vergleich zum 2504 müN hohen Großglockner „relativ einfach“ gemeistert. In einem Café auf der Passhöhe mache ich die Bekanntschaft von Heath, einem 29 Jahre alten Neuseeländer, der ein paar Monate durch Europa radelt.

Mit Überquerung des Brenners verlasse ich Italien und folge nun in Österreich dem Silltal Richtung Innsbruck. Im Hintergrund sieht man die prächtigen Gebirgszüge des Wettersteins und des Karwendel.

Stafflach
Die Sill bei Statz
Hinter Matrei
Mühltal
Mühltal
Blick auf Patsch
Und hinab nach Innsbruck
Vor Igis
Vill

In Innsbruck angemommen, gönne ich mir eine Nacht im Hilton. Nein, Quatsch. Es ist die Jugendherberge mit sechser Schlafsaal. Aber fúr die kurze Nacht ist das ok und mit 29,50 € incl. Frühstück für Insbrucker Verhältnisse unschlagbar günstig.

Hier treffe ich auch Heath wieder und wir können zusammen etwas unternehmen. Wir fahren in die Stadt und kehren in der Markthalle ein.

Heath hat sich eine viermonatige Auszeit von seinem Job genommen. Er kümmert sich in Neuseeland um den Schutz und Arterhaltung von Kiwis. Momentan beträgt der Bestand in seiner Region nur ca. 550 Exemplare. Zum Aufspüren der Tiere nutzt er in diesem riesigen Gebiet oft einen Hubschrauber und es hilft ihm sein Hungarian Viszla, den er selbst über zwei Jahre abgerichtet hat und durch eine strenge Zertifizierung bringen musste.

Durch seine Arbeit kennt er ein Leben im Outback, so dass er auch hier oft wild zeltet und mit seinem Cannondale häufig auf abelegenen Mountainbike-Trails unterwegs ist.

Es ist spät geworden und wir mússen die Nachtglocke läuten.

Inzwischen sind mit mir vier von sechs Betten belegt Ich bekomme von niemanden etwas mit. Keiner schnarcht. Eine wunderbare Ruhe nach der Nacht an der Autobahn.

Gute Nacht.

Tirol, Tag 10: Toblach – Brixen, 65 km, 600 hm rauf und 1080 runter

Brr, ganz schön kühl hier heute Morgen. Aber die Wetterprognose sieht vielversprechend aus: Sonne, und 30 Grad im Verlauf des Tages. Heute geht es über den super ausgebauten Pustertal-Radweg hinab von 1200 müN nach Brixen in 770 müN..

Stausee der Rienza vor Oberolann

Ich befinde mich immer noch in Südtirol. Alle Ortsnamen sind sowohl in deutsch, als auch in italienisch aufgeführt. Man spricht überwiegend italienisch.

Kirche in Niederolang, der italienische Name ist doch viel klangvoller: Valdaoro di Sotto
Radweg bei Percha
Pustertalbrücke bei Percha
Zählstelle vor Bruneck
Bruneck
Warum haben hier die Schienen weße Flanken?
Rienza bei Kiens
Am Rastplatz bei Kiens
Durchweg sehr gut ausgeschildert
Bei Obervintl
Mühlbacher Klause
Hinter Mühlbach
Blick zurück Richtung Mühlbach
Kirche in Aicha

Wegen der stark befahrenen Bundesstraße nehme ich gerne 5 km Umweg in Kauf, um zum Campingplatz am Vahrner See zu gelangen. Ich muss sagen, dass ich wegen der großen Hitze – auf der schattenlosen Straße sind es bestimmt 35 Grad – ziemlich kaputt und dehydriert bin. Das erhoffte kühlende Bad im See kann ich jedoch abhaken, da es sich um ein geschütztes Biotop handelt.

Vahrner See

Also dann doch lieber ein „Büttchen bunt“

Das kann ich dann morgen frisch wieder anziehen

Zum Essen gibt es – weil es so lecker war – wie gestern „Tiroler Tris“: Käse- und Spinatsemmelknödel und gefüllte Maultaschen.

Der Campingplatz ist verkehrstechnisch super gelegen. Direkt an einer viel befahrenen Bahnstrecke und am Autobahnkreuz Brenner. Der Verkehrslärm ist unüberhörbar. Auf jeden Fall bin ich müde genug, um gut schlafen zu können.

Es war ein toller Tag und zur Nachahmung empfohlen: der Pustertalradweg!

Und morgen? Vielleicht reichen die Körner zum Abschluss noch für den Brenner und dann bis Innsbruck.

Tirol, Tag 9: Lassach – Toblach / Camping Olympia, 79 km, 1200 hm

Ein für mich besonders schöner Aspekt des Radreisens ist, dass man schnell ins Gespräch mit Fremden kommt. Oft wird man angesprochen, wo man hin möchte, oder wo man denn herkäme, ob man etwas suche und behilflich sein könne. Und schon ergeben sich oft interessante Gespräche mit wildfremden Leuten.

Eine besondere Kategorie dieser Menschen sind die Radreisenden. Man trifft sich, tauscht sich aus, erzählt Geschichten,denn man hat anscheinend eine gemeinsame DNA.

Ganz besonders nette Menschen, die ich kennenlernen durfte, sind Astrid und Jason, die gestern kurz nach mir auf dem Campingplatz ankamen.

Morgens,unrasiert, ungeschminkt, aber sowas von gut drauf. Ich, Jason Eldridge (10 Jahre nicht rasiert ; -) und Astrid, die Amazone

Astrid ist Biologin, wie ich, und begeisterte Radreisende. Sie ist mit dem alten Simplon Rennrad ihres Vaters unterwegs, was aber den großen Etappenlängen die sie bewältigt, keinen Abbruch tut. Auch sammelt sie Pilze und bereitet daraus leckere Speisen. Wie heißt noch mal das Schwammerl gestern Abend im Topf? Witzigerweise hat Astrid genau das gleiche Zelt wie ich.

Old fashion style

Jason kommt aus Südafrika und bereist Europa mit einem 16″ Zoll Brompton. Da das Rad nicht gerade für die Berge geeignet ist, hat er die 35 kg schwere Fuhre über den Großglockner geschoben! Geschoben! Die ganze Strecke. Er liebt sein Rad so sehr, dass er es nachts zusammengeklappt in sein Zelt nimmt. Und er kennt meine Fahrradmarke: Bombtrack. Ein Experte! Wieder in Südafrika angekommen, will er einen YT-Kanal mit seinen Filmen úber die Reise machen. Ich bin gespannt!

Klein, aber mit Gepäck sauschwer mit 35 kg

Nach der Verabschiedung geht’s für mich zunächst weiter bergab an der Möll entlang. Doch im 6 km entfernten Wimklern ist Schluss mit Lustig! Denn ab hier erfolgt der 380 Höhenmeter Aufstieg zum 1204 m hohen Iselsbergpass.

Na ja, wir haben viel gequatscht an dem Abend. Leider trennen sich unsere Wege wieder. Es war sehr schön. Gute Reise euch beiden, ihr kennt euch ja auch erst seit ein paar Tagen. Good journey!

Hier am Pass verlasse ich Kärnten und stürze mich mit teilweise 65 km/h eine herrliche Abfahrt hinab Richtung Lienz im Drautal.

In Lienz kommen die Flússe Isel und Drau zusammen. Ein nettes Stàdtchen mit einer schönen Fußgängerzone.

Hier die Isel
Bronze-Vogel an der Spittal-Brücke
Für Stefan
Da die Drau

Ich hatte ja meinen Kocher aus Gründen der Gewichtsersparnis nach Hause geschickt. Aber ganz ohne Kocher kann man ja noch nicht einmal morgens Kaffee kochen. Das fehlt mir! In einem Outdoorshop erstehe ich einen Esbit-Kocher, den ich noch von der Bundeswehr kenne. Wie jeder weiß 😉 . besteht der Brennstoff aus Hexamethylentetramin und Esbit steht für „Erich Schumms Brennstoff iTablettenform“. 1936 schon vermarktet und für mich ideal, weil der Kocher superleicht, kleiner als eine Zigarettenpackung und billig (10 €) ist.

Der Kocher ist das Teil unter der Tasse

Es geht weiter auf einem toll ausgebauten Radweg die Drau hoch durch das Pustertal. Aber irgendetwas muss ich falsch machen, denn es kommen mir auf diesem Abschnitt von ca. 40 km mindestens – und ich übertreibe hier nicht – weit mehr als 1000 Radfahrende entgegen. Kaum einer fährt in meiner Richtung, so dass diese anzunehmen scheinen, dass der Radweg eine Einbahnstraße sei. Da wird mit Anhängern überholt, meist gelbe der Marke „Papin“, während der Fahrt telefoniert oder sogar gefilmt, getratscht, rechts nach hinten geguckt und dabei links den Lenker verrissen, usw. Ich muss mich da schon ziemlich konzentrieren, meinen Rückspiegel kann ich ignorieren.

Rechts erhebt sich die mächtige Burgruine bei Heinfels.

Dann folgen Sillian und Innichen, mit herrlichem Blick auf den Naturpark „Drei Zinnen“.

In Innichen
Toblacher Feld. Hier irgendwo muss der Ursorung der Drau liegen
Endlich wieder abwärts.

Hier irgendwo entspringt die Drau im Toblacher Feld. Bei Toblach ist die Wasserscheide und ich folge der Rienza – endlich geht’s hinab – bis zu meinem Camping Olympia auf 1200 müNn. Nach wie vor ist es sonnig und ca. 28 Grad, aber es wird in dieser Höhe schnell abkühlen (22:30Uhr 8 Celsius,brrr). Ich bekomme den allerletzten Zeltplatz unter einer Fichte. Bei weitem nicht so schön wie den gestrigen.

Für Hannah
Der Ausbkick ust gut
Schwimmbad heute ohne mich

Als Abendessen empfiehlt mir die Bedienung des Restaurants „Schlutzkratzen mit Käse- und Spinatsemmelknödeln“. Sehr lecker.

Heute habe ich sehr viel geschrieben. 4 Stunden für diesen einen Blog! Da ich wie immer viel erlebt habe und leider am Abend keine so nette Unterhaltung wie gestern mit Astrid und Jason hatte, bleibt mir die Zeit

Tirol, Tag 8: Fusch – Großglockner (2504 m) – Lassach an der Möll, 58 km, 1980 hm

Ein dickes Brett, das heute zu bohren ist.

Ich wache um 6:30 Uhr vom lauten Plätschern des Regens auf. So ein Mist, nicht schon wieder! Aber egal, ich bin nach zwei Tagen Ruhe und Erholung bis in die Zehenspitzen motiviert den Berg zu erobern.

Nach zwei Portionen Porridge auf dem Zimmer packe ich meine Sachen. Die dreihundert Jahre alte Glocke der Kirche läutet bezeichnenderweise meine Abfahrt um 7:30 Uhr zum Großglockner ein – ich natürlich in Regenklamotten.

Bald kommt an der Kapelle die erste Höhenmarke: 863 m. Hier beginnt der Aufstieg.

Der Anfang

Die Fuscher Ache und die zuführenden Bäche führen nach dem Regen so viel Wasser, dass es nur so rauscht und sprudelt.

Die Bärenschlucht markiert die ersten 1000 Meter über Null.

Rechts vorbei

An der Mautstelle haben Radfahrer freien Durchgang. Die Größe der Anlage lässt erahnen, wieviele Fahrzeuge die Grossglocknerhöhenstrasse passieren.

Klare Ansagen

Mühsam geht es weiter aufwärts. Bald kommen die ersten Spitzkehren und Galerien. Krass, dass ich da hoch muss. Die Steigung beträgt bis zum Pass etwa 9 bis 14 Prozent in der Spitze. Mein Tempo ist teilweise so langsam, dass ich während der Fahrt Blumen pflücken könnte. Der Verkehr nervt schon, aber alle nehmen Rücksicht auf meine schlenkernden Bewegungen.

Die Kilometersteine im 100 m Abstand scheinen gefühlt immer weiter auseinander zu stehen. Aber ich weiß, dass ich mit jeder Kurbelumdrehung weiter und vor allen Dingen höher komme.

Das Wetter bessert sich zusehends und der Regen hört endkich auf. Sogar die Sonne lässt sich blicken.

Dann mache ich mir eine mentale Strategie zu nutze, die ich schon bei meinen Marathons angewandt habe. Ich filetiere quasi, in diesem Fall die Gesamthöhe, in übersichtliche und kleine Portionen. Erst schaffe ich die Hälfte. Das ist schon mal ganz gut. Dann zwei Drittel, dann drei Viertel, dann 90 % und die dann noch verbleibenden 10 %, das ist ja quasi nix mehr.

So gelange ich ohne schieben zu müssen bis zum vermeintlichen Gipfel.

Das sind erst mal nur 2428 m

Meine beiden Mitstreiter, ein junges Pärchen das sogar mit einem Servicewagen unterstützt wird, jubeln schon und meinen Einwand, dass es sich nur um einen Vorgipfel handelt, scheinen sie zu überhören und machen Schluss.

Dabei geht es gleich danach zunächst einmal abwärts und dann aber wieder kräftig hoch.

Auf den Anstieg passiere ich zwei Tunnel, die aus der Enfernung aussehen wie Mauselöcher im Berg.

Oben nach 5,5 Stunden Kraxelei angekommen, ist es mit 6 Grad recht frisch, insbesondere bei der dann folgenden Abfahrt im Fahrtwind. Einem Kollegen zerreißt es den Schlauch, aber er hat Glück, dass er nicht stúrzt.

Die Abfahrt ist mit ein, zwei Unterbrechungen ca. 32 km lang. Es wird immer wärmer und sonniger. Hier bin ich nun im Mölltal, ein nettes Flüsschen Richtung Drau.

Die Möll

Unterkunft finde ich im Lindler Hof Camping. Ein sehr nettes Plätzchen. Es kommen noch ein Südafrikaner auf seinem 16″ Brompton Faltrad und ein deutsches Mädchen mit einem alten Rennrad. Beide sind auch heute über den Berg geradelt.

Es war ein magisches Erlebnis. So müssen sich auch Bergsteiger fühlen, wenn sie nach einem strapaziösen Aufstieg auf dem Gipfek stehen.

Geschafft!

Tirol, Tag 7: Fusch 2.0

Manche Menschen können nicht mehr an die Sonne glauben, wenn es einmal Nacht ist. Ihnen fehlt das bißchen Geduld zu warten, bis der Morgen kommt. Wenn du im Dunkel sitzt, schau nach oben, wo die Sonne auf dich wartet.

Phil Bosmans (1922 – 2012), belgischer Ordenspriester, Telefonseelsorger und Schriftsteller (›der moderne Franziskus‹).

Na ja, hier sitze ich also und warte auf besseres Wetter. Trotz der gestrigen guten Wetteraussichten für heute, ist das Wetter viel schlechter als gestern. Es regnet in einem durch, was aber die kernigen polnischen Motorradfahrer nicht davon abhält früh um 8 zu starten. Die sind härter als ich, aber auf Regenfahrten habe ich extrem keine Lust.

Der Wahnsinn
Und immer wieder rollen neue Regenwolken heran

Die Webcam Großglockner bietet auch nur ein düsteres Bild.

Zeit, die kleine Dorfkirche zu besichtigen mit dem prächtigen Altar aus dem Jahr 1619 und der Turmuhr von 1795.

Ein Gewicht aus Stein und zwei Gewichte in Holzkübeln trieben die Uhr an. Jeden Tag musste sie aufgezogen werden.
Altar (1619) mit einer Mondsichelmadonna

Und am Dorfplatz gibt es sogar eine kleine Ausstellung über den Nationalpark Hohe Tauern. Rein geologisch ist interessant, dass die Gesteine dieser hohen Berge wohl zu Beginn ihrer Metamorphose 10 km unterhalb der Erdoberfläche lagen!

Das Fuschertal in dem ich mich befinde, wurde durch Gletscher und Schmelzwasser geformt. Ich werde morgen mal auf Moränen achten, wenn ich das Tal hoch fahre.

Zum Abschluss des Tages gönne ich mir noch geschmorte Ochsenbäckchen im benacbarten Hotel Römerhof. 14,90 € ist anscheinend der Betrag, auf den sich hier die Dorfgastronomen für ein Abendessen verständigt haben.

Ein Hochgenuss

Tirol, Tag 6: Basecamp Fusch

In der Nacht gab es nur einzelnes, weit entferntes Gewittergrollen und mäßigen Regen bis zum Morgen. Aber wir sind anscheinend vom Unwetter verschont geblieben, ganz anders als das Lavanttal im benacbarten Kärnten. Hier kam es zu heftigen Überflutungen und Murenabgängen.

Wer in die Höhe will, muss Ballast abwerfen.

Michael von Faulhaber, (1869 – 1952), deutscher katholischer Theologe, Kardinal von München-Freising

Ich packe einen Wein-Karton der überflüssigen Sachen und stopfe hinein:

Schlauchtuch, 2 Hosen, 3 Shirts, 2 Unterhosen, Socken, Kindl, Waschmittel, Rasierseife, Dose mit Besteck, Arm- und Beinlinge, Schweizermesser (da doppelt), Kocher, Gaskartusche, Topfset, Steppjacke, Handtuch und eine Schwimmbrille 😉

Da kommt ganz schön was an Gewicht zusammen, das ich nicht den Berg hoch schleppen muss. Ich schätze, dass es zusammen mit den Tütensuppen, Milchpulver und der Zuckerdose, die ich auch hier zurück lassen werde, bestimmt 3-4 kg sind.

Der freundliche Hotelchef hat sich sofort angeboten, das Paket für mich zur Post im benachbarten Dorf (hier gibt’s nur einen Briefkasten) zu bringen und nach Hause zu schicken.

HOLZ ist ein einsilbiges Wort, aber dahinter steckt eine Welt von Wundern und Märchen.

Theodor Heuss

Dieses Zitat steht im Museum Mühlauersäge, das ich am Mittag besuche und einem sehr interssanten Vortrag über Holzgewinnung und -verarbeitung in der Region lausche.

Wasserfall am Mühlbach
Ein sehr engagierter Vortrag
Eine Stihl-Kettensäge aus den 50-er Jahren. Mit 38 kg ganz schön heavy.

Interessant ist z. B., dass die hölzernen Lärchenholz-Schindeln aus Spaltholz ca. 60 Jahre halten und nicht genagelt oder imprägniert werden. Zur Sicherung legt man Felsbrocken an Querhölzern auf die schuppenartig dreifach übereinander verlegten Schindeln. Gesägte Schindeln sind billiger, halten aber nur 20 Jahre, weil Wasser in die offenen Poren eindringen kann. Beim Spalten bleiben die Poren verschlossen.

Der Betrieb des Sägewerks hat sich nicht mehr gelohnt und wurde vor ein paar Jahren eingestellt.

Nach dem Vortrag bin ich erschöpft 😂 und mache nur noch einen kleinen Spaziergang im Dorf.

Das ist doch mal ein schöner Grünstreifen.
Ein Wunschkennzeichen der besonderen Art
Idee für unseren Vorgarten

Ab und an regnet es. Oben am Berg auf 2500 m Höhe dürfte es unangenehmer sein und die Aussicht wahrscheinlich gleich null.

Ansonsten ist „Tapering“ angesagt. Das ist beim Läufer die Ruhephase vor dem Marathon, sprich Berg.

Abends gibt’s im „Hotel Post“ ein einfaches, aber reichhaltiges Schnitzel-Buffet. Anders könnte man u. a. auch die hungrige ca. fünfzehnköpfige polnische Motorradtruppe nicht satt kriegen. Das Buffet (14 €) kann nicht schlecht sein, denn das Hotelpersonal greift ebenfalks beherzt zu.

Eigentlich sollte das Hotel nicht „Hotel Post“ heißen, sondern „Hotel Polska“, denn das gesamte Personal und 95 % der Gäste sind vernehmlich polnischer Provenienz, was offensichtlich zu einer gemütlichen und lockeren Atmosphäre hier im Schankraum führt. Die Österreicher sind bezüglich ihrer Nationalflagge 🇦🇹 ja ohnehin ja nur um die Horizontale gespiegelte Polen 🇵🇱.

Mit Edi und Dietmar aus Vorarlberg rede ich dann noch sehr lange über die Dinge, die das Leben lebenswert machen. Es sind wohl die kleinen Dinge, die kein Preisschild haben.

Tirol, Tag 5: Fieberbrunn – Fusch am Großglockner, 58 km, 470 hm

„Gute Nacht!“, kann ich da nur sagen, denn ich habe gut und gerne 9 Stunden durch geschlafen.

Vor der Abfahrt um 9 Uhr fotografiere ich noch einmal meinen Zeltplatz mit dem üppigen „Vorgarten“ und lausche dem nervigen Fiepen des Grünfinken im Baum über mir.

Viel Platz für wenig Zelt

Große Aufregung beim Wohnmobilisten mit seinem Riesenschiff gegenüber im Eichenweg: Anscheinend war der Wassertank undicht und nun wird fleißig geschippt, gesaugt und getrocknet. Und alle gucken zu und geben kluge Ratschläge.

Mein Weg folgt der Fieberbrunner Ache bis hinauf zum bekannten Wintersportort Hochfilzen. Den kannte ich bis dato auch nicht.

Griessener Hochmoor

Dann werde ich mit einer 17 km langen Abfahrt entlang der Leoganger Ache bis hinab nach Saalfelden verwöhnt. Das ganze Gebiet scheint ein Eldorado für Mountainbiker und Downhill-Radfahrer zu sein. Ganze Heerscharen sind hier unterwegs und nutzen teilweise die Skilifte, um ohne eigenes Zutun auf die Berge zu gelangen, um dann in rasanter Fahrt hinabzustürzen.

Am schlimmsten sind die Herr- und Frauschaften, die sich kaum auf den eigenen Beinen halten können, aber laut rufend: „Achtung!, rechts fahren!“ mit ihren Ebikes angeschossen kommen. Man scheut sich mitunter auch nicht davor zurück, die schmale Lücke rechts von mir und dem Bordstein zum riskanten Überholen zu nutzen. Vielleicht gibt es bei diesen Geräten einen Tempomaten, den man nur schwerlich aus der Fixierung lösen kann?

Die haben’s auch nötig

In Saalfelden schmiert mir die freundliche Verkäuferin im Spar ein Käse- und ein Schinkenbrötchen, dick belegt für 3.06 €. Auf dem Parkplatz werde ich von Einheimischen – wie so oft – angesprochen, wo ich denn her käme und wo ich denn hin wolle. „Urlaub oder Pension?“ werde ich gefragt. Leider das Erstere muss ich zugeben.

Die Route knickt jetzt Richtung Süden ab nach Zell am See. „Sellamse“ sprechen es einige der vielen wirklich reichen Öl-Araber aus, die hier wegen Erholung oder Begleitung ihrer Angehörigen während deren medizinischer Behandlung anzutreffen sind.

Der Ort „Gerling“

Hier genieße ich mit meinem Gefährt mehr Aufmerksamkeit am „Grand Hotel“ als die vielen SUVs und Sportwagen.

Grand Hotel
So große Nutellatöpfe!
Zeller See

Kaum bin ich aus dem Dorf raus, fängt es richtig an zu schütten. Aufgrund der überaus schlechten Wetterprognose für den Alpenraum – es ist eine sogenannte „Genuazyklone“ im Anmarsch, ziehe ich es vor, gleich die nächsten drei Nächte im „Hotel Post“ zu verbringen. Abends spielt vor unserem Hotel sogar die „Musi“ auf.

Ein 66-jähriger Holländer aus Thorn stammend, (der weißen Stadt bei Roermond – witzigerweise ist er Maler, aber nicht nur „weiß“ wie er mir berichtet), der hier seit 25 Jahren zun Rennradfahren herkommt, gibt mir so einige Tipps zu den umliegenden Pässen im Radius von ca. 80 km. Der Großglockner ist darunter das größte Kaliber und ich habe einmal mehr sehr großen Respekt vor diesem Berg.

Ein Radfahrer im Hotel will es aber trotz der schlechten Wetterprognose morgen früh probieren. Ich warte mal lieber bis Sonntag, ob es dann geht. Wenn nicht, werde ich eine Route nördlich wählen.

So, genug jetzt, die polnische Servicekraft serviert Semmelknödel mit Gulasch.

Tirol, Tag 4: Wiesing – Fieberbrunn, 78 km, 820 hm

Der Anblick des prächtigen nächtlichen Sternenhimmels wird leider durch eine grelle Stigl- Werbelaterne gestört. Lichtverschmutzung! Dafúr spendet sie im Zelt ein fahles Dämmerlicht.

Stigl-Bier hat die Lampe an

Ich hatte gar nicht bemerkt, dass die Inntalautobahn dicht unterhalb des Zeltplatzes entlang führt. In der Nacht ist das permanente Dröhnen des Verkehrs schon sehr störend. Die dünne Zeltplane hält den Lärm nicht zurück. Ein nie enden wollender Strom an Autos und LKWs schiebt sich durch das schöne Tal.

Nach dem Aufstehen um 7, dem Zusammenlacken und einem kleinen Imbiss im Camping, starte ich schon um 8:45 Uhr Richtung Inntalradweg. Das ist nichts für Langschläfer, aber das Programm ist stramm und nachmittags sollen es 30 Grad heiß werden.

Es läuft super, insbesondete als mir zwei Triathleten auf ebener Strecke 10 km lang Windschatten spenden und das Tempo mit 30 km/h für meine schwere Fuhre recht hoch halten.

Die Landschaft wird immer schöner und ich komme zum „Wilden Kaiser“.

Söll

Um 13 Uhr sitze ich nach 63 km beim Türken in St. Johann bei 30 Grad und Sonnenschein. Es gibt einen Kebab-Teller, der meine Speicher wieder füllt.

Fußgängerzone St. Johann

Die hohen Temperaturen stören einige ältere Herren nicht, ihr Eisstockschießen zu üben.

Bevor ich den Campingplatz in Fieberbrunn ansteuere, komme ich nicht umhin, in einem Café einzukehren. Schon wieder habe ich Appetit, diesmal auf hausgemachten Käsekuchen.

Fieberbrunn

Zum Campingplatz steigt es noch einmal kräftig an. Hier ist es auch wieder sehr gepflegt, aber eher auf Familien mit Kindern in Wohnmobilen ausgelegt. Daher ist der mir zugewiesene Platz im „Eichengrund Nr. 11“ eher betonharter Schotter. Im Randstreifen finde ich noch ein kleines Stückchen Wiese.

Und schon wieder bekomme ich Hunger!

vegetarische Käseröstis mit Dillsauce und Krautsalat

Ok, ich habe ja heute auch viele Kalorien verbrannt.

Das hat Kraft gekostet.

Wegen der schlechten Wetterprognosen für Freitag und Samstag habe ich gleich zwei Hotelübernachtungen in Fusch am Einstieg zur Großglocknerhöhenstraße gebucht. Ich hoffe sehr, dass das Wetter am Sonntag eine Überquerung möglich macht.

Tirol, Tag 3: Lenggries – Wiesing (Inntal), 54 km, 640 hm

Flucht in die Fahrradgarage

Kurzer Nachtrag: Ich hatte ja Schmacht ohne Ende, da seit Gaby’s vorzüglichem indischen Essen am Samstag und Susanne’s Stullen am Sonntag nichts wirklich Gutes den Weg in meinen Magen gefunden hatte.

Wegen des Feiertags waren die Pizzeria,die Gastsube, das Campingrestaurant und meine letzte Hoffnung: der „Alpendöner“ geschlossen. Die Ratsstube und die Dorfschänke hatten keine Plätze mehr frei – noch nicht einmal für eine Person. Der Ober im „Neuwirt“ ließ mich jedoch nicht alt aussehen und wies mir kurzerhand ein Plätzchen im Biergarten zu. Etwas derbe fragte er mich nach meiner Bestellung mit: „Schieß los! „

Ich habe dann losgeschossen und mir sowas den Magen zubetoniert mit den fettigen vegetarischen Käsespätzle aus der Pfanne! Sehr lecker. Und diese habe ich dann wieder schwimmen lassen im hellen Hofbräu Bier. Mein Bruder hätte mit mir noch einen Obstler nachgelegt. Aber den gibt’s hier leider nicht – den Bruder.

Am Zeltplatz angekommen, fängt es dermaßen an zu schùtten und zu stürmen, dass ich alle Sachen, die sich im Zelt befinden vor dem Regen in die Fahrradgarage rette und dem Zelt zum Abschied viel Standfestigkeit wünsche. Denn die Aussichten sind nicht gerade gut:

Aber es gibt nette und kontaktfreudige Leute im Aufenthaltsbereich und einen gut gefüllten Kühlschrank. Ab und an kommt jemand rein und berichtet von den erlittenen Schäden: Vorzelt gerissen, Campingherd mit heißem Wasser umgekippt, Plane verweht, Wasser im Zelt, usw.

Da Sturm und Regen anhalten, leiste ich meinem Rad in der Garage Gesellschaft und übernachte gleich dort. Hauptsache sicher und trocken.


Am Morgen scheint die Sonne, als sei in der Nacht nichts geschehen. Die Nachbarn beseitigen die Schäden, aber mein ungenutztes Zelt steht noch wacker auf der Wiese und innen ist es sogar trocken geblieben.

Um neun bin ich startklar für die Abfahrt, aber nach der kurzen Abfahrt ins Dorf wird zunächst beim Edeka „März“ gefrühstückt.

Stuhlkreis

Weiter geht die Fahrt entlang der Isar, aber ohne sie oft sehen zu können. Am Vormittag erreiche ich den Sylvensteinspeicher.

Die Hinweisschilder kündigen schon die Grenze zu Österreich an. Fast ohne es zu merken, überquere ich die Grenze und befinde mich in einem Land, in dem der Herr mit Hut das widerstrebende Kind auf den Gehweg zerrt. „Gehe nie mit einem Fremden mit“ möchte man da drunter schreiben.

Es folgt eine traumhafte Passage entlang des Achensees. Der Uferweg ist nur für Radfahrer und Fußgänger frei. Der klare, leuchtend türkisfarbene Aloensee lockt viele Wassersportler an und natürlich auch mich.. Das kühle Wasser ist eine willkommene Erfrischung in dieser Sommerhitze. Zudem bietet sich ein tolles Panorama mit den Bergen im Hintergrund.

Hier übt die Jugend das Klettern
Nur für Wanderer und Radfahrer

Hinter dem Ort Eben kann ich schon das Inntal sehen. Auf einer Schotter-Serpentinenstrecke vernichte ich leider die mühsam erstrampelten Höhenmeter, bis die Bremsscheiben glühen. Das ist traurig, hilft aber nicht. Letztendlich sind es ca. 400 hm auf 5,5 km. Die mir entgegen kommenden Radler tuen mir echt leid, denn die müssen diese herbe Steigung auf einer relativ kurzen Strecke bewältigen.

Hinab ins Inntal. Schade um den Höhenverlust ;-(
Man beachte den Abgrund am Ende der Tour
Kirche in Wiesing

Bei Wiesing finde ich einen erstklassigen Campingplatz, wo ich auch meinen erhitzten Körper abkühlen und regenerieren kann. Das abendliche Champignonschnitzel mit großem Beilagensalat für nur 12 € schmecken vorzüglich. Der Dehydrierung beuge ich mit hellem „Stiegl-Bier“ vor. Ich bin gespannt auf morgen. Der nächste Campingplatz, den ich mir ausgesucht habe, ist 75 km entfernt.

Die Füße machen immer noch rotierende Bewegungen
Das ist reichluch

Ich habe gerade ein neues Feature entdeckt: Einbetten von YouTube-Videos. Also hier zwei Rundblicke über Campingplatz und Ort:

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