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2020 Oder-Neiße

27.06. – 18.07.2020

Tag 1 Anreise Würzburg

Hannah begleitet uns zu unserem Startpunkt nach Würzburg!

Tag 2 Bamberg (Zwischenaufenthalt) – Bayreuth – Bad Berneck

Von Würzburg geht´s mit der Bahn über Bamberg nach Bayreuth. Dort starten wir unsere eigentliche Radtour Richtung Fichtelgebirge mit 35 km leichtem Einrollen.

Zwischenstop in Bamberg

Tag 3 Bad Berneck – Franzensbad (Tschechien) 65 km, 1180 hm

Über die Höhen des Fichtelgebirges

Nach einem guten Frühstück im Gasthof „Schwarzes Rössel“ geht es 10 km über eine alte Bahntrasse stetig bergan durch’s Fichtelgebirge nach Bischofsgrün. Begleitet werden wir ständig vom „Weissen Main“. Wir treffen den ehemaligen Bürgermeister von Kulmbach, mit dem wir ein Schwätzchen halten. Das Kulmbacher scheint fit zu halten, denn mit 71 besucht er seinen 98 jährigen Vater auf einer langen Tour mit dem Treckingrad. Unsere Strecke steigt weiter an und wir erreichen den höchsten Punkt unserer Reise. 831 m. Nun geht es über sanfte Hügel mit weitem Fernblick, abseits von jedem Tourismus. Bergab führt unser Weg nun ins Tal der Eger, der wir immer wieder begegnen. Eine flache Flussroute ist das aber eher nicht, denn ständig geht es die Höhen rauf und runter. Irgendwann queren wir die grüne Grenze zu Tschechien und unbemerkt schmuggeln wir die illegalen Waren, mit denen wir unsere Reisekasse aufbessern können 😉 Die Wege sind nun eher fúr Mountainbikes geeignet. Traumhaft schön geht es durch einen einsamen und abgelegenen Teil des Egertals. Vor Franzesbad ist die Luft raus für heute und wir zelten für 15 € auf dem wenig besuchten Campingplatz „Amerika“ am gleichnamigen idyllischen See. Hoffentlich hält das Wetter, denn heute war es doch etwas unbeständig. In der Pizzeria gibt´s 0,5 ltr. Budvar vom Fass und eine Pizza für 7 € – zusammen. Damit lassen sich unsere Körperakkus wieder gut und preiswert aufladen. Und Corona? Scheint es hier nicht zu geben.

Tag 4 Franzensbad – Karlsbad (30.06.) 65 km 540 hm

Der Wind ist unser Freund

Die Nacht ist trocken und morgens um 4! wecken uns dutzende Vogelstimmen am Amerika-See. Wir drehen uns nochmal rum und stehen erst um 8 auf. Dann Kaffee kochen, Frühstück zubereiten und Zusammenpacken bei strahlendem Sonnenschein. So gefällt uns das. Der Westwind frischt auf, aber – welch ein Segen – haben wir ihn den ganzen Tag im Rücken. Die wunderschöne Radroute Nr. 6 führt uns ab Franzensbad – klein, aber ein feines Spa-Bad – weiter durch das herrliche Egeral, vorbei an der Festungsstadt Loket ins mondäne Karlsbad. Welch ein Prunk! Aber sichtlich angeschlagen durch die ausbleibenden Touristen ist es gespenstisch ruhig in dieser weltweit anerkannten Kurstadt. Wir beziehen ein schönes Hotelzimmer im Krasna-Kralovna. Im Restaurant Tusculum serviert man uns Salat mit Ziegenkäse und Tortellini mit getrockneten Tomaten. Allerbeste Küche. Morgen werden wir das gute Wetter für eine weitere Etappe nutzen.

Tag 5 Karlsbad – Jesenice 80 km 1260 hm

Rauf und runter im Erzgebirge

Wir drehen noch eine Ehrenrunde durch das morgendliche Karlsbad und klettern stetig bergan zum zweithöchsten Punkt (690 hm) unserer Reise. Typisch Mittelgebirge, hier am Südostrand des Erzgebirges. Aber sehr dünn besiedelt, kaum Windräder und nur zwei Touristen. Das ständige Auf und Ab kann einen mürbe machen. Die 31 Grad über dem Asphalt und die brennende Sonne machen uns dagegen wenig aus. Man kann wegen der harten Topographie nicht so viel Strecke machen und so erreichen wir erst gegen 18 Uhr einen Campingplatz. Alles aufbauen, duschen, dann ins Dorf – alle Restaurants geschlossen. Wir plündern die Tankstelle und genießen den lauen Abend auf dem Zeltplatz.

Tag 6 Jesenice – Prag 86 km 860 hm

Blitz, Donner, Regen

Taghell ist es im Zelt, als in der Nacht ein Gewitter aufzieht. Es regnet in Strömen, aber die dünne Hülle unserer Behausung hält dem Unwetter stand. Am Morgen lacht die Sonne wieder und das Zelt trocknet schnell in der morgendlichen Brise, während wir auf dem Zeltplatz Kaffee kochen und Müsli essen. Alles ist schnell verpackt und unsere Räder warten voll aufgerüstet mit 30 kg bzw. 15 kg Gepäck auf ein wenig Bewegung. Schon um 9 geht unsere Fahrt los, denn wir wollen heute bis Prag durchziehen. Mittags schüttet es wieder in Strömen, aber wir beißen uns tapfer durch. De Temperatur sinkt auf angenehme 22 Grad. Landschaft und Dörfer sind eher langweilig. Dafür ist Tschechiens Hauptstadt Prag der Hammer. Im Hotel Harmony steigen wir ab und treffen unsere Freunde im Restaurant Vegtral an der Moldau. Ein grandioses Treffen dieser Weekender Splittergruppe plus gibt diesem Tag einen schönen Abschluss.

Tag 7 Prag

Power-Sightseeing Prag

Mit 2 Std Busfahrt, 1 Std Schifffahrt und 18 km zu Fuß, konnten wir uns doch nur einen sehr kleinen Überblick dieser herrlichen Stadt verschaffen. Abends Ausklang im Brauhaus U Flecku. Danke Roland für den Tipp, tolle Location und Biergarten.

Tag 8 (04.07.) Prag – Libechov 79 km 600 hm

Umwege an Moldau und Elbe

Es geht schon um 6:30 Uhr aus den Federn. Der frühe Radler frisst viele Kilometer. Wir verabschieden uns von Prag bei strahlendem Sonnenschein. Es geht an der Moldau entlang, die mitunter schnell über Rauschen dahin fließt. Schiffbar ist der Fluss hier nicht. An einigen Stellen nutzt man die Strömung in wilden Rafting-Kanälen. Die Landschaft ist durch großflächige Landwirtschaft geprägt. Sogar Hopfen wird hier angebaut. Große alte Gutshäuser und Schlösser sind zu bestaunen. Mitunter erheben sich steile Felshänge am Ufer, und versperren die direkte Fahrt entlang der Moldau. Eine Brücke, die wir nehmen wollen, ist gesperrt und wir fahren einen Umweg von 10 km. Der direkte Weg ist auch nicht immer der schönste: weitere 10 km. Umleitung wegen einer Baustelle: 5 km. Eine Fährfahrt führt uns auf eine Insel, statt ans gegenüberliegende Ufer – es geht wieder zurück mit der selben Fähre: 40 Minuten. Dafür sehen wir die Mündung der Moldau in die Elbe, die hier Leba genannt wird. Höchsttemperatur heute: 33 Grad. Wir übernachten in einer Pension, der nächste Zeltplatz soll überfüllt sein.

Tag 9 Libechov – Zittau 94 km 1100 hm

Der letzte Berg vor der Ostsee

Noch einmal geht es über ruhige Landstraßen und Waldwege an Sandstein-Formationen vorbei den Berg hinauf bis auf 500 m. Kurz vor dem Gipfel passieren wir die grüne CZ-D-Grenze. Hier sagt man noch „Ahoi“ wenn man sich grüßt. Es geht hinab nach Zittau an der Neiße und zum Olbersdorfer See, wo wir unser Zelt aufschlagen. Wir sind nun in der Lausitz. Fahrrad heißt hier auf sächsisch „Forod“. Wir treffen die Ecken, mit denen wir abends in der Weinau lecker essen. Schnitzel mit Sauerkraut und Käse überbacken ist auch mal was Neues.

Tag 10 (06.07.) Zittau – Görlitz 55 km 380 hm. 

Mühelos

Nach einem morgendlichen Bad im Olbersdorfer See, finden wir im einsetzenden Nieselregen einen Unterschlupf im behaglichen Wohnmobil der Ecken. Vorzüglich ist das Frühstück, das uns der Eck auf dem Gasherd zubereitet. Nach dem Trocknen der Klamotten geht es relativ spät um 10:30 los am Neiße-Radweg entlang nach Görlitz. Nach den Höhen Tschechiens ist die Strecke ein Klacks: eben und Rückenwind. Wir folgen der deutsch-polnischen Grenze, die über die ganze Strecke durch einen elektrischen Zaun abgesichert ist. Gegen Wildschweine! Wir erreichen das schöne Görlitz und treffen wieder die Ecken, mit denen wir ein leckeres Abendessen und einen schönen Abend auf dem Campingplatz “Ehem. Kühlhaus” genießen.

Tag 11 Görlitz – Bad Muskau 87 km 680 hm

Fürst Púckler ist nicht nur Eis

Mücken ohne Ende! Ziemlich blutleer und unausgeschlafen nach deren abend- und nächtlichen Attacken, starten wir Richtung Norden. Das Wetter ist mal wieder top, etwas abgekühlt auf ca. 18-24 Grad aber sonnig und trocken. Es geht über weite Felder, durch Auwälder und Nadelholzplantagen. Hier und da sehen wir die Neiße. Sonst ist nicht viel los in der Oberlausitz. Tote Hose. Am Nachmittag erreichen wir Bad Muskau. Hier hat sich der gute alte Fürst Pückler landschaftsgärtnerisch mal so richtig ausgetobt. Der riesige Park ist wirklich sehenswert. Wir kommen unter in Renate’s kleiner Pension “Bockkeller” und beschließen den Abend in einem polnischen Restaurant auf der anderen Seite der Neiße.

Tag 12 (08.07:) Ruhetag Bad Muskau 12 km per pedes, 24 per Rad

Parks im Doppelpack

Nach dem Frühstück bei Renate besuchen wir den Rhododendrenpark in Kromlau (200 ha). (Tipp für meinen Schwimmfreund Wolfgang) Nur schade, dass die Blüte vorbei ist. Anschließend geht’s ins Schloss des Fürsten von Pückler in die Ausstellung zum Leben (Michael, der stand für gewöhnlich erst um 14 Uhr auf, wenn er im Schloss weilte) und Wirken sowie zur Anlage des gigantischen Parks (830 ha). (Wieder ein Tipp für Wolfgang). Hier sind auch zahlreiche botanische Raritäten zu bewundern, z. B. eine seltene gigantische Strauchkastanie. Als Bonus folgt eine lehrreiche Ausstellung zur Kultivierung der Ananas. Nach soviel Kultur gönnen wir uns im „Kaffee König“ Kuchen und natürlich ein etwas enttäuschendes Fürst-Pückler-Eis (angeblich von einem Koch des Fürsten in Bad Muskau kreiert). Abends schlagen wir uns wieder zum Abendessen auf die polnische Seite. Auf dem Weg dorthin werden wir noch von einem freundlichen Sachsen zu einigen Sehenswürdigkeiten im Schlosspark geführt. Das Essen ist wohl verdient und wieder sehr lecker. Soljanka Eintopf, gefüllte Piroggen, griech. Salat, Schweinefilet Sous Vide, Beilagen, 2 Bier und Wein für zus. 34,50 €. Sehr zufrieden mit dem gelungenen und interessanten Ruhetag rollen wir zurück Richtung Renate’s Pension.

Tag 13 (09.07.) Bad Muskau – Forst – Guben – Oderfischer Finkenheerd 129 km 770 hm

Neiße, Oder

Nach einer Ehrenrunde durch den Bad Muskauer Schlosspark folgen wir der Neiße und immer noch dem Wildschweinzaun nach Norden. Die Landschaft finden wir eher monoton. Links Wald, rechts Wald, dazwischen ein ca. 4-5 km breiter Streifen, in dem sich Felder, irgendwo eine Landstraße, ein paar Weiler, die Neiße und wir auf dem Fahradweg mit leichter Neigung gegen Norden bündeln. Ab und an sieht man Störche, die von einer noch halbwegs intakten Natur zeugen. Bei Ratzdorf mùndet die Neiße in die Oder. Der Strom ist nun viel breiter, die Landschaft ähnlich, aber zusätzlich sieht man immer wieder Nebenarme, Seen, Tümpel und Auwälder. Später wird die Sicht leider durch den Damm versperrt, der zu unserer Rechten verläuft. Das Wetter ist mit 20 Grad zum Radfahren ideal, nur am Nachmittag gibt es eine einstündige Dusche. Die Suche nach einer Unterkunft gestaltet sich in dieser menschenleeren Landschaft etwas schwierig. Dann haben wir aber doch Glùck und finden beim Oderfischer Schneider eine nette Unterkunft, direkt am Brieskower See. Nach einer kurzen Einkaufsfahrt zum Norma – denn heute wird selbst gekocht – steht auf unserem Tageskilometerzähler 129 km – neuer Rekord. Das Essen ist wohl verdient!

Tag 14 (10.07.) Oderfischer – Frankfurt – Lebus – Kienitz 70 km

Monotonie im Oderbruch

Frau Schneider vom „Oderfischer“ gibt mir nach dem Frühstück noch schnell einen kurzen Abriss zur 100 jährigen Geschichte des Betriebs und zeigt mir die Fotos der Prominenz, die schon zu Besuch kam. Jetzt simmer auch dabei. Wir radeln über die Insel Ziegenwerder nach Frankfurt an der Oder. Hinter Lebus beginnt der 60 km lange Oderbruch. Ehemals Sumpfgelände, nun menschengemachte Auenlandschaft. Die Landschaft rechts des Damms wiederholt sich: Tümpel, Teiche, Seen, Baumgruppen, hier da ein paar Kanäle und weit hinten fließt die Oder. Ornithologisch ist hier einiges los. Sogar ein Storch steht einmal auf dem Radweg. Wir flitzen nur so über die mitunter 4 m breite und glatt asphaltierte Dammkrone. Rechtzeitig vor einem Gewitter finden wir beim Bruder des Oderfischers nach 50 km Fahrt Unterschlupf. Ansonsten ist das Wetter perfekt: 24 – 27 Grad und meist sonnig. Heute schlafen wir in Rosemarie’s Dorfgaststätte in Kienitz, Staße der Befreiung 44 (in der Nähe steht ein Sovietpanzer als Denkmal auf dem Marktplatz). Wir treffen gleich Rita und Martin aus Münster, die wir heute kennengelernt haben und Rosemarie wird uns hoffentlich etwas Nettes servieren.

Tag 15 Kienitz – Hohensaaten – Schwedt – Gartz 99.9 km

Storch, Kranich und Eber

Die Rosemarie ist alle andere als eine gute Gastwirtin. Sie schmeißt uns und unsere beiden Bekannten um 8 quasi aus ihrer Kneipe raus und beordert ihren Sohn Ronny (ich glaube, hier heißen ziemlich alle Männer im Alter von 30-50 so) die letzte Runde einzuläuten. Klar, wir sind die einzigen Gäste in ihrem Laden, aber gastfreundlich ist das gerade nicht. Dafür sind Rosi’s Abendessen und Frühstück ganz ok. Der Morgen erwartet uns mit tollem Sonnenschein. Mit 15 Grad etwas frisch, aber die Temperatur wird im Laufe des Tages noch auf sonnige 22 Grad steigen. Die Auenlandschaft liegt ab Hohensaaten hinter uns und wird eher Polder-artig. Wir verlassen den Oderbruch und erreichen nun das untere Odertal. Mit dem Kahn „Eber“ taucht das erste Lastschiff in der Schleuse Hohensaaten auf. Bei Stolzenhagen machen wir wie gewohnt Mittagspause: Stullen vom Frühstück und Kaffee vom Trangia-Kocher. Aber nicht zu lange ruhen, denn sonst wird man zu müde für die Weiterfahrt. Meister Adebar gibt sich wieder die Ehre und endlich können wir auch einige Kraniche beobachten. Kurz vor Schwedt sehen wir den Damm-Kilometerstein „100 *. Den größten Teil der Strecke sind wir tatsächlich oben auf der asphaltierten Krone gefahren. Hinter der Raffinerie der PCK in Schwedt werden wir von der hilfsbereiten Frau Flanz durch eine kilometerlange Deichbaustelle geleitet. Sonst hätten wir 10 km Umweg fahren müssen. Heute beenden wir die Tour daher nur mit fast 100 km und übernachten im Eiscafe-Restaurant Mühlenteich. Nach 5 Minuten ist unser Zimmer wieder in ein Chaos verwandelt. Der Service kann hier nur besser werden als bei Rosi. Und es gibt leckeres Wenninger vom Fass. 

Tag 16 Gartz – Stettin – Stepnitz 93 km

Wahlsonntag, Fahrradboten und Betonplatten

Es ist Sonntag und wir starten daher erst etwas später um 10 Uhr Richtung Stettin. Wieder ändert sich die Landschaft. Durch dichten Wald führt der Weg entlang der Oder, die im morgendlichen Sonnenlicht durch die Blätter glitzert. Plötzlich finden wir uns etwas weiter in der weitläufigen Landschaft der unteren Oder in Polen wieder. Kein Zaun, kein Poller, kein Grenzer, nur irgendwann ist ein polnisches Ortsschild zu sehen. Der Verkehr Richtung Stettin nimmt unangenehm zu. Liegt es daran, dass die Wähler heute zu den Wahllokalen strömen? Es ist Wahlsonntag in Polen. Stettin scheint eher nicht so interessant zu sein, um hier eine Nacht zu verbringen. Wir kämpfen uns daher im Verkehr durch die Stadt in Richtung Haff. Auf dem Weg treffen wir die beiden Fahrradboten Ilena und Max aus Düsseldorf auf ihrem Weg nach Warschau. Nach einem gemeinsamen cafe on the road entscheiden wir uns dazu, eine Pension zu suchen und nicht mit den beiden zu zelten. Das Wetter ist uns doch zu unbeständig (obwohl es heute meistens trocken war und 22 Grad hatte), aber auch die Mückenschwärme hier am Wasser sind schon heftig und unangenehm. Über abgelegene Sand- und Betonplattenpisten geht es mühsam und rüttelnd quer durch das abgeschiedene Grasland des Haffs in Richtung Stepnitz. Wir übernachten in der Willa Eponia und lassen den Abend in der Tawerna Panorama bei Fischfilet und Zywiec-Bier ausklingen. Wir sind müde und froh, dass wir heute Nacht eine trockene und múckenfreie Kemenate haben.

Auf diesen Panzerstraßen wird man heftig durchgerüttelt. Mitunter klaffen ware Abgründe zwischen den Platten.
Kleine, aber feine Unterkunft. Frühstück gibt´s quasi im Bett.

Tag 17 Stepnitz – Międzywodzie 55 km

Die Füße in die Ostsee und Ballermann

Gefrühstückt wird heute 6:45 Uhr im Bett – allerdings ist das kein Kunststück in unserer kleinen, gemütlichen Kammer. Es geht weiter bei strahlend blauem Himmel am Haff entlang. Mal über kleine holprige Landsträßchen, mal über beste Schotterwege, direkt auf einem niedrigen Hochwasser-Schutzdamm fernab des Verkehrs. Ab und zu sieht man Leute, die sich um das Weideland oder die Unterhaltung der Wassergräben im Polderland kümmern. Ansonsten trifft man hier kaum jemanden an. Manchmal erlaubt das zurückweichende Uferschilf den freien Blick über das Wasser. Nur ganz wenige Wassersportler sind hier unterwegs. Wir machen Pause am Sandstrand des Haffs und die Camping- Küche bietet eine leckere asiatische Curry-Nudelsuppe. Ein hoher Beobachtungsturm verheißt eine herrliche Aussicht über das Gelände. Durch kilometerlange Alleen geht die Fahrt weiter Richtung Küste, die wir schon gegen 15 Uhr erreichen. Die heutige Strecke ist vielleicht die schönste unserer bisherigen Tour. Dann sind sie auf einmal da – nach meist einsamen 1117 km auf dem Rad: Die Insel Wolin, der Strand, der Massentourismus, die Hotelbunker, die Fressmeile der polnische Ballermann. Den Anblick finde ich eher abschreckend und die Aussicht hier einen Ruhetag verbringen zu müssen bedeutet fúr mich die Höchststrafe. “Wat willste machen”, erstmal die Füße ins Wasser. Ruhe ist auf jeden Fall erforderlich, um die müden Beine zu ermuntern die Reise fortzusetzen. Und der Popo? Ich fahre nun schon die ganze Zeit ohne Radlerhose oder Polsterung, nur mit Unterhose und Shorts bekleidet. Aber mein wunderbarer Brooks-Ledersattel bewahrt mich vor Schmerzen oder wunden Stellen im Schritt. Susanne kommt mit ihrem Sitzfleisch auch ohne Probleme klar. Wir bleiben 2 Nächte im blitzsauberen und pittoresken Hotel „Palacyk“ (Yetkin für Insider). Alles piekfein hier. Heute Abend gibt’s Bier am Ballermann  ; -) Nach ein paar „Bosman“ wirkt der herrliche Sonnenuntergang besonders gut. Gute Nacht.

Tag 18 Międzywodzie 13 km per pedes

Un-Ruhetag

Hier im „Palcyk“ gibt es eine riesige und bestens ausgestattete Küche in der die polnischen Mamas die tollsten Mahlzeiten zubereiten. Wir begnügen uns jedoch mit ein paar Stullen und wandern zum Strand. Heftig was los hier, aber nur einen Kilometer weiter weg vom Hauptzugang ist es doch erfreulich leer. Der weiße, ca. 150 m breite Sandstrand fällt sanft ins Wasser ab. Auf der Landseite steigt das Ufer steil bis auf ca. 20 m an und oben sieht man Kiefern und Birken, die gefährlich nahe an der Kante stehen. Manche der Bàume haben es nicht geschafft und sind über die Klippe gekippt. Das Wasser ist schön sauber, aber dermaßen erfrischend, dass ein làngeres Schwimmen wegen der Kälte ausfällt. Das Wetter ist bombig und nach 3 Stunden am Strand haben wir tatsächlich einen leichten Sonnenbrand. Zeit zu gehen. Schnell noch eine belegte Waffel „Gofry“ auf der Fressmeile, ins Hotel und relaxen, umziehen und für einen Grillteller zurück zur Fressmeile. Der Sonnenuntergang fällt heute leider wegen einer Wolkenbank aus, die sich unverschämterweise eine halbe Stunde vorher am Horizont gebildet hat. Wir sind ziemlich gechillt und googeln den Wochentag. Es ist tatsächlich erst Dienstag. Wir haben also noch Luft. Es gibt eine Planänderung für die letzten Tage: Statt nach Anklam und Ueckermünde werden wir unsere Fahrt an der schönen Küste fortsetzen und über Usedom und Rügen (Danke, Michael, für den Tipp mit der Fähre) nach Stralsund fahren. Wir sind ja flexibel!

Tag 19 Międzywodzie – Trassenheide 84 km 800.hm.

Dem Regen entgegen

Der morgendliche Regen verheißt nichts Gutes. Aber wir haben Glück und bei der Abfahrt hört es auf zu gießen. Über sandige Waldpisten gleiten wir fast lautlos durch den Wolni Naturpark. Dichte Wälder flankieren unserer Weg nach Westen Richtung Deutschland. Leider führt die letzte Strecke zur Grenze entlang der stark befahrenen E3 und einer Gas-Pipeline-Trasse. Mit der Stadtfähre geht’s über die Swine nach Swinemünde. Hier zahlen wir unsere letzten Zloty für Kaffee und Kuchen. Die günstigen Preise sind mit den Überschreiten der Grenze auf der Insel Usedom vorbei. Es empfangen uns ein sehr schöner aber auch mitunter sehr hügeliger Radweg entlang der Bernsteinbäder und den dichten Küstenwald. In Heringsdorf kommt dann der Regen, der hier schon wochenlang herrscht. Das Fahren im Regen über etliche Stunden ist nicht sehr angenehm. Auch finden wir nach etlichen Telefonaten und Nachfragen kein Quartier. Erst nach 84 km und gegen 18 Uhr haben wir mit der Seeklause einen Treffer über Bett+Bike in Trassenheide. Gut und günstig. Und das Beste: Es gibt leckeres all-you-can-eat Buffet. Wir schlagen richtig zu und sammeln neue Kräfte für die weitere Reise nach Rügen.

Hier haben wir in einem früheren Urlaub mit den Ecken schon einmal übernachtet.

Tag 20 Trassenheide – Rügen 79 km

Vorne hui, hinten pfui

Trotz des üppigen Abendessens haben wir wieder so richtig vom sehr reichhaltigen Frühstücksbuffet geschlemmt. Mega lecker. Dann geht’s um 9:30 mit unseren vom Vortagsregen eingeschlammten Drahteseln Richtung Westnordwest nach Rügen. In Wolgast überqueren wir die Peene und verlassen damit die Insel Usedom. Die dunklen Regenwolken hängen uns dicht im Nacken und wir stemmen uns dem frischen Westwind entgegen, der uns meistens von vorne ins Gesicht bläst. Wieder passieren wir lange Alleen und weite Felder. Gegen Mittag erreichen wir das schöne Städtchen Greifswald. Sicher wäre hier eine gute Basis für Segeltörns auf der Ostsee. Das Wetter wird besser und besser. Der Wind scheint die Regenwolken vor sich her zu treiben; über unsere Köpfe hinweg. Mit der Fähre in Strahlbode setzen wir kurz auf die Insel Rügen úber. Hier sieht es aber nicht viel anders aus als auf dem Festland. Leider müssen wir viel befahrener Landstraßen entlang, um unser Hotel im Inneren der Insel zu erreichen. Das ist unsere Basis für die morgige Inselerkundung, diesmal ohne Gepäck. Wir sind gespannt, ob die Insel außer Gegenwind und Autoverkehr noch etwas mehr zu bieten hat.

Tag 21 Stönkvitz – Rùgen 69 km 

Rügen hat doch was

Nach einer kurzen aber dringend notwendigen Fahrzeugwäsche geht es auf zu den berühmtesten Wahrzeichen Rügens: den Kreidefelsen. Wir starten nach einer kuzen Anreise mit dem Zug in Stassnitz und betreten den schmalen Kiesstrand entlang des Küstensaums. Was sofort auffällt, ist, dass alle Strandbesucher zum Boden schauen. Sie sammeln  Ammoniten, Höllensteine, Seelensteine, Steine mit Loch, Bernsteine, Strandgut. Unsere Blicke hingegen zeigen eher nach oben. Wir bringen lieber Fotos der beeindruckenen Kreidefelsen als Trophäen mit nach Hause. Die wiegen auch nicht so viel. Von Stassnitz geht es mit 3,6 km zum längsten Gebäude der Welt, dem Nazi KdF Seebad „Prora“. Geplant für 20.000 Bewohner. Heute teilweise Ruinen, teilweise umfunktioniert zur Jugendherberge, Hotel und Eigentunswohnungen. Der benachbarte Ort Bins hat dagegen den netten Charme eines Ostseebades mit See im Binnenbereich. Weiter gehts nach Sellin durch den schönen Dünenwald, aber vorher noch jurz zum Jagdschloss der Herren Granitz, seinerzeit Herrscher über 1000 ha Wald. Ab und zu sehen wir die alte Schmalspurbahn, die zwischen Sellin und Bins verkehrt. Sellin ist wirklich der Hammer, viel schöner als der Nachbarort Bins. Die Seebrücke, sehr sehenswert, gerade im Licht der tiefstehenden Sonne. Dann geht es zurück nach Bins und von dort aus mit der Bahn nach Bergen. Es ist schon spät und mangels Alternativen versorgen wir uns bei Netto mit Honkong-Nudeln und Beilagen, die wir dann in unserem Zimmer zubereiten. Das Hotelrestaurant hat nämlich schon um 19:30 dicht gemacht. Ostdeutsche Servicewüste. Aber kein Problem für uns hungrige Selbstversorger.

Tag 22 Stönkvitz – Stralsund – Berlin 32 km

Abschiedsrunde

Noch einmal fahren wir einen kurzen Schlenker an der Küste Rügens entlang. Schon bald sehen wir die hohen Pylone der Rügener Brücke und die Silhouette von Stralsund. Leider bleibt nicht viel Zeit zur Besichtigung dieser schönen Stadt, denn unser Zug fährt um 13 Uhr nach Berlin. 3 Stunden später spuckt uns der Zug mitten im Bauch der Großstadt aus. Ein krasser Unterschied zur Idylle der Insel. Wir buchen ein Zimmer im Arena Hotel. Die Schlüsselausgabe erfolgt aus dem Automaten. Ist halt eine preiswerte Absteige. Gleich treffen wir Christine und Albert im Biergarten „Zollpack“.

Tag 23 Berlin und Heimfahrt 17 km.

Rückreise

Schön ist es im Biergarten Zollpack-Hof. Wir sitzen unter der riesigen Kastanie, direkt an der Spree und genau gegenüber dem Kanzleramt. Einen Köbes gibt es hier leider nicht und so kann der Bierkonsum leider nur gering sein, da man sich abwechselnd an den Schlangen zum Bierausschank, Essensausgabe und Pipimachen anstellen muss. Gegen 22:30 Uhr ertönt auch schon die Glocke für die letzte Runde. Ist vielleicht besser so, denn mir müssen um 6:30 Uhr raus. Die Nacht verbringen wir sicher verwanzt in unserem Zimmerchen genau im Schatten des gegenüberliegenden Bundesnachrichten-Dienstes. Heute geht es mit dem IC über Hannover zurück nach Köln. Auf dem Bahnsteig die übliche Hektik: den richtigen Platz nahe am Fahrradwaggon finden, das gesamte Gepäck abbauen, die Fahrräder in den Zug bugsieren, das Gepäck nachholen. Nichts vergessen? Das Ganze in der hektischen Betriebsamkeit der anderen Mitreisenden. Viel Stress zum Abschluss. Das ist man gar nicht mehr gewohnt. Wir beenden unsere 1.420 km lange Traumreise mit dem lockeren Ausradeln von Köln nach Brauweiler. 

ENDE